I – GEGEN – „This Is Our House“
Was antworte ich auf die Sorgen unserer Kinder, wenn eine Katastrophenmeldung nach der anderen uns überrollt. Wenn mir nach der Wahl in den USA die Frage gestellt wird: „War es das jetzt mit uns?“
Was sage ich, wenn ich höre: „Wir hatten ein so tolles Leben, aber von nun an wird es für uns nur noch schlimmer und schlimmer werden.“ – und mich das so sehr trifft, dass ich nicht weiß, ob ich weinen oder schreien soll.
Wie gehe ich mit dem Aufstieg des Faschismus überall auf der Welt um, wie mit der völligen Enthemmung der fossilen Weltzerstörer. Wie mit der Klimakatastrophe, wie mit dem Gefühl von Ohnmacht und Ausgeliefertsein.
Dies ist der Versuch einer Antwort.
This is the fight
The fight for our lives
Scream out loud
This is our houseThis is the time
we won’t back downWould you join me in the fight
the fight for our lives
Scream out loud
This is our house
Vorab: Die brüllenden Monster
Das hier wird kontrovers. Aber es will raus, viel zu lange schon. In eine Zeit hinein, in der Viele verstummt und resigniert sind, andere aber um so lauter schreien.
Dabei will ich mich nicht mit Beschreibungen und Analysen aufhalten. Stattdessen liegt den einzelnen Aspekten ein kreativer, künstlerischer Impuls zugrunde, der einen assoziativen Zugang ermöglicht. Wie anders soll ich etwas zu erfassen versuchen, das so schwer zu bestimmen ist?
Verbindend leiten mich durch die verschiedenen Kapitel einige aktuelle Songs bzw. Videos verschiedener Death-Metal/Metalcore Bands: In Flames, Arch Enemy, Killswich Engage. Ja, auch kontrovers – das ist mir bewusst. Aber das ist Absicht. Ich bin Musiker, weiß um die Kraft von Musik und Bildern. Und ich mag ich die Musik – simple as that.
Warum gerade diese Musik? Vor allem für die „Alles nur Krach“-Fraktion lasse ich den Soziologen Hartmut Rosa die Begründung formulieren:
Im Unterschied zu ,rein‘ schöner Musik, die zwar auch zu schweben vermag, aber zugleich die Zweifel nährt, sie könne nur schöner Schein sein, darunter lauere vielleicht doch ein verdrängter Abgrund, der jederzeit aufbrechen und das Schöne zerstören könne, verdrängt der Metal nichts.
Die Entfremdung, das Verzerrte unserer Existenz, der Tod: sie sind spürbar, hörbar, präsent, gerade in den Texten und auch in den Plattencovern. Aber sie haben nicht das letzte Wort.
Dahinter und darüber werden uralte Harmonien hörbar. Und die Welt singt doch! Die Musik schleudert der Verderbnis der Welt ihren Gesang, ihren Klang entgegen. So gesehen ist sie Protest, aber sie ist auch ein Versprechen, sie ist Hoffnung. Sie ist das Aufblitzen einer anderen Seinsmöglichkeit.
„When Monsters roar and Angels sing“ nennt Hartmut Rosa seine beeindruckende und überaus kompetente soziologische Analyse des Metal, aus der das Zitat stammt. Wenn ich also nach einer passenden Ausdrucksform für meine Antworten suche, könnte ich hier fündig werden.
Es liegt etwas „dahinter“, hinter dem Brüllen der Dämonen und Monster unserer Tage, hinter Zerstörung und Hoffnungslosigkeit – und dem möchte ich mich näheren.
Wenn es stimmt, das die Welt durch den Lärm der Zeit hindurch immer noch „singt“, dann will versuchen, hinzuhören.
1 – Ein Papst in Flammen
2015 ist das Jahr des „Paris Agreement“, des Klimaschutzabkommens der Vereinten Nationen. Nahezu alle Nationen dieser Erde verpflichten sich darin, die Erderwärumung zu stoppen und auf „deutlich unter 2 Grad Celsius“ zu begrenzen. „Holding the increase in the global average temperature to well below 2 °C above pre-industrial levels and pursuing efforts to limit the temperature increase to 1.5 °C above pre-industrial levels, recognizing that this would significantly reduce the risks and impacts of climate change.“
Ebenfalls 2015 erscheint die zweite Enzyklika des damaligen Papstes Franziskus. Eine päpstliche Lehrschrift, an die Bischöfe und die gesamte Kirche gerichtet, die Leitlinien für das Leben aller Gläubigen beschreibt. Der Titel: „Über die Sorge für unser gemeinsames Haus“.
Die Erde – unser gemeinsames Haus Our House. Als „Schöpfung“ ist sie der Für-Sorge des Menschen anvertraut. Besonders im Blick auf die kommenden Generationen.
Für ein gutes, verantwortungsvolle, „tugendhaftes“ Leben ist das obligatorisch – kein ethisch-moralisches „Topping“, kein „nice to have“, sondern wesentlich. Es gibt kein verantwortungsvolles, gutes Leben ohne Für-Sorge für dieses gemeinsame Haus.
Unser gemeinsames Haus ist wie eine Schwester, mit der wir das Leben teilen., wie eine Mutter, die uns in die Arme schließt. Die Erde schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr zufügen … Unser eigener Körper ist aus den Elementen des Planeten gebildet; seine Luft ist es, die uns den Atem gibt, und sein Wasser belebt und erquickt uns. Nichts von dieser Welt ist für uns gleichgültig. (2)
Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen? Wir sind die Ersten, die daran interessiert sind, der Menschheit, die nach uns kommen wird, einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen. (160)
Die Berufung, Beschützer des Werkes Gottes (der Erde als Gottes Schöfpung) zu sein, praktisch umzusetzen gehört wesentlich zu einem tugendhaften Leben; sie ist nicht etwas Fakultatives noch ein sekundärer Aspekt der christlichen Erfahrung“ (217)
Kein richtiges, verantwortungsvolles, gutes Leben ohne Für-Sorge für dieses gemeinsame Haus – dies ist die offizielle Lehrmeinung der größten kirchlichen Gruppe in der größten Weltreligion, zudem die vorherrschende Religion in den Ländern, die so hart diese Erde zerstören: gut, „tugendhaft“, christlich, verantwortungsvoll ist unser Leben nur mit der Übernahme von Verantwortung für diese eine Erde, für „unser gemeinsames Haus“, für die Schöpfung. Ein Leben ohne diese, eines das die Zerstörung oder auch nur die Duldung wählt, ist all das nicht mehr: es ist verantwortungslos, unchristlich, moralisch falsch.
„This is our house“, unser gemeinsames Haus: hier treffen sich also tatsächlich die so unterschiedlichen Welten von „In Flames“ und Papst Franziskus bzw. der katholischen Lehre. Und wir sollten an dieser Stelle genau hinhören.
Have you heard the call?
It involves us one and all
From the rising sun until the day is done
Do you hear the call?This is our time, we won’t back down
From the rising sun until the day is done
Do you hear the call?
Unser Haus – und uns ist die Verantwortung dafür übertragen.
= Unser Haus beanspruchen =
2 – Der Kampf GEGEN
Heute ist die Für-Sorge, die wir unserem gemeinsamen Haus entgegenbringen, die Übernahme von Verantwortung für diese Erde und unsere Mitmenschen, zu einer echten Herausforderung geworden.
Warum ist das so? Weil „wir“ und „uns“ eben nicht mit „alle“ zu verwechseln ist.
Die „Sorge für das gemeinsame Haus“ hat einen Gegner, der nur eines will: dessen Zerstörung. Einer, der mit dieser Zerstörung nicht nur unvorstellellbar viel Geld verdient sondern schlicht nicht weiter existieren könnte, wenn der damit aufhörte – und es deshalb auch von sich aus niemals tun würde. Um unser gemeinsames Haus müssen wir kämpfen.
Und wenn ich hier von „Wir“ und „uns“ schreibe, dann meine ich genau diese Menschen, von denen oben die Rede war. Wir – die Guten und „Tugendhaften“ (Franziskus).
Hier stehen sich zwei Seiten gegenüber:
There are millions, possibly billions, of people on this planet who would rather preserve civilization than destroy it with climate breakdown, who would rather have the fossil-fuel economy end than continue. Those people are not all mobilized, by any means, but they are there.
But remember too that there are millions of other people, some of them running the world, who seem willing to destroy civilization and allow untold numbers of people to die in the decades ahead so that the fossil-fuel system can continue… Such people are making money destroying the world.
(Genevieve Guenther – The Language of Climate Politics, 2024)
Diese Feststellung ist wichtig. Wer in vollem Bewusstsein, was er da tut, die Zerstörung des „einen Hauses“ betreibt, ist kein Alliierter mit leider anderen Prioritäten, kein auf den falschen Weg geratenen Verbündeter, den man durch gutes Zureden überzeugen und von diesem falschen Weg wieder zurück argumentieren könnte. Er ist: GEGNER – wir stehen auf unterschiedlichen Seiten.
Das Aushandeln von Strategien für einen geordneten Übergang mit einer Gegenseite, die sich längst für die komplette Zerstörung entschieden hat, ist keine Option mehr. Die Zeit hierfür ist vorbei. Welchen Kompromiss will ich denn mit einem zerstörenden System suchen? Etwas weniger zerstören, zerstören aber dabei freundlich lächeln, oder was sonst?
900 Seiten umfasst allein der Plan der Heritage Foundation, einem der vielen von der Fossil-Wirtschaft finanzierten Think-Tanks, der detailliert den Weg zur Zerstörung dieses gemeinsamen Hauses aufzeigt und den die aktuelle amerikanische Regierung gerade Punkt für Punkt abarbeitet. Fast überall auf der Welt ist der Klimaschutz auf dem Rückzug und der Faschismus auf dem Vormarsch (zwei Seiten ein und derselben Medaille übrigens).
Heute ist aus der „Für-Sorge“ eine Auseinandersetzung, ein Kampf geworden (und war wohl noch nie etwas anderes) mit denen, die die Zerstörung dieses Hauses betreiben. Ein Kampf GEGEN – GEGEN die „Männer die die Welt verbrennen“, GEGEN einen fossil-faschistischen Kapitalismus, der nur verbrannte Erde hinterlässt. Wer das ausblendet, macht es sich zu leicht, bricht seine Analyse zu früh ab. Und sorry: nein, das ist nicht zu martialisch.
This is the fight
The fight for our lives
Scream out loud
This is our house.
„This is a fight, a fight for our lives“ – denn: das hier ist UNSER Haus.
Es ist unser Haus, nicht das einer irren Orange mit seinem kleptokratischen Clan, nicht eines Jeff Bezos oder Elon Musks, nicht das von ein paar Handvoll Oligarchen und Scheichs den Ölexportländer, nicht das der größenwahnsinnigen Tech-CEOS, nicht das der Entscheider in den wenigen mächtigen Fossilkonzernen. Es ist: unser Haus – unser gemeinsames Haus.
Die Konzentration von Macht und Einfluss bildet nicht die echten Relationen ab. Global sind rund 80% aller Menschen der Meinung, dass ihr Land jeweils mehr für den Klimaschutz tun muss, bei uns sind es rund zwei Drittel. Wir müssen die geplante und absichtsvolle Zerstörung unseres „Hauses“ nicht unwidersprochen immer weiter zulassen.
Uns „Tugendhaften“ sollte es wert sein, darum zu kämpfen.
= Das richtige Wording benutzen =
3 – Die Minen von Moria
Zahlreiche Kämpfe gibt es in Tolkiens Roman-Trilogie „Der Herr der Ringe“. Eine der großen Schlachten findet tief unter der Erde statt, in den Minen von Moria. Immer weiter werden die „Gefährten“ um Gandalf und Frodo in den Berg hinein getrieben und müssen sich dort nun gegen dunkelste Bedrohungen erwehren. Doch plötzlich ergibt sich mitten in der Schlacht ein kurzer Augenblick der Ruhe. So sitzen nun beide erschöpft nebeneinander:
“I wish it need not have happened in my time,“ said Frodo. „So do I,“ said Gandalf, „and so do all who live to see such times. But that is not for them to decide. All we have to decide is what to do with the time that is given us.”
(J.R.R. Tolkien, The Fellowship of the Ring)
„All we have to do decide is what to do with the time that is given us“ – ja, das ist typisch hollywood-klischeehaft – und trotzdem gilt es exakt so auch noch heute.
Und wer es etwas „seriöser“ haben möchte: Viktor Frankel, KZ-Überlebender, Psychiater und Begründer der Logotherapie, hat dies vor dem Hintergrund seiner eigenen Lebens- und Überlebens- Erfahrungen folgendermaßen formuliert:
„Leben heißt letztlich, die Verantwortung zu übernehmen, die richtige Antwort auf seine Probleme zu finden und die Aufgaben zu erfüllen, die es jedem Einzelnen ständig stellt. Alles kann einem Menschen genommen werden bis auf eine Sache: die eigene Haltung unter allen gegebenen Umständen zu wählen, seinen eigenen Weg zu wählen.“
Den eigenen Weg wählen: heute, an unserem Ort, in dieser unserer Gegenwart, in unserem Leben. Und zwar jeden Tag aufs Neue. Es gibt kein zu spät für genau diese Entscheidung. „I wish it need not have happened in my time“ – das ist ein verständlicher Wunsch. Denn wir sind mit hineingenommen in die wohl größte Transformationsphase der Menschheit – und es bleibt nicht aus, dass die Orks und Monster aus der Dunkelheit kriechen:
„The old world is dying, and the new world struggles to be born: now is the time of monsters.“
Antonio Gramsci
Es mag Angenehmeres geben, aber wir kommen hier nicht weg. Und der Weg ins Verdrängen und Wegschauen ist verständlich und nachvollziehbar – und doch zugleich das Verhängnisvollste, was wir tun können. Denn genau in dieser scheinbar den Zerstörern ausgelieferten Welt, in diesem unserem gemeinsamen (und einzigen, einzigartigen) Haus, müssen wir uns positionieren und Entscheidungen treffen: „decide what to do with the time that is given us“. (Gandalf), „die Aufgaben erfüllen, die das Leben jedem Einzelnen stellt“ (Viktor Frankel). Und nicht unsere Traumwelt, unser Rückzug ins Innere oder die Flucht in die Verdrängung.
Und zwar jeden Tag. Es gibt kein „zu spät“, für die richtigen Entscheidungen, kein „es ist vorbei“, um „die eigene Haltung unter allen gegebenen Umständen wählen, seinen eigenen Weg wählen“ (Viktor Frankel). In jedem Moment dürfen wir die Entscheidung treffen, wie unsere „Für-Sorge“ für das gemeinsame Haus aussieht, wie wir den „Orks“unserer Tag entgegentreten wollen, wie wir ihnen wiedersprechen und sie bekämpfen wollen. Und damit „unser Haus“ nicht widerstandslos den Zerstören überlassen.
= Jeden Tag die richtigen Entscheidungen treffen =
4 – Die richtige Seite
Es gibt in der heutigen Welt, in dieser Zeit, keinen „neutralen“ Platz mehr, kein „so what“ oder „sollen doch die anderen machen“, kein „bringt doch eh nichts mehr“. Wir sind mit einer Vielzahl von Krisen konfrontiert, neben den globalen oft auch noch mit persönlichen, und oft besteht zwischen beidem eine direkte Verbindung. Überforderung ist ein Grundgefühl unserer Tage.
Aber dennoch: Wegschauen, Verdrängen, Nichts-Tun ist keine Option. Was wir uns klar machen müssen: wer sich dafür entscheidet, wird zum Komplizen der Weltzerstörer. Es gibt in diesen Fällen nur eine Möglichkeit: weg da. Run, Forrest, run! Raus aus dem Nichtstun – jede(r) in dem Maß, wie er und sie das kann. Und dann gibt es auch keine zu kleinen Schritte. Entscheidend ist nur: weg aus der passiven Mitte, mit kleinen und kleinsten Schritten auf die richtige Seite, auf die der „Tugendhaften“ ( Franziskus, s.o.) hin bewegen. Dann sind wir in der Gemeinschaft derer aufgehoben, die sich gegen die Zerstörung unseres gemeinsamen Hauses zur Wehr setzen.
Wir müssen uns für eine Seite entscheiden, es gibt keinen Platz in der Mitte!!
Daher: Jede „Oma gegen rechts“, jeder juristische Prozess um unsere Lebensgrundlagen, jede Gerechtigkeits-Initiative, jede Psychologin, die sich um traumatisierte junge Menschen kümmert, jede am heimischen Computer unterzeichnete Petition, jede Initiative für die Begrünung von städtischen Flächen, jedes Windrad und jedes Solardach, jede feministische Initiative, jede diesen freien Geist atmende Kunst, jede große, bunte Demo, die durch die Straßen zieht ebenso wie die kleine Gruppe, die einen AFD-Stand blockiert ist genau das – Widerspruch, Widerstand, Kampf, unser Teil und unser Beitrag zum „Fight for our lives“.
Das ist kein Popanz, das sind keine Kleinigkeiten. Wir sollten das schon richtig einsortieren.
This is our time, we won’t back down
No, we won’t back down
This is our time, I hear the sound
Of a thousand drumsWould you join me in the fight, fight for our lives?
Oh, scream out loud, this is our house
Oh, please, join me in the fight, the fight for our lives
Oh, scream out loud, this is our house
Und wer jetzt denkt: das ist zu undifferenziert, es ist doch nicht alles Schwarz oder Weiß – doch, ist es. Ich bin schwanger oder ich bin es nicht, es brennt oder es brennt nicht, ich bremse am Stauende oder ich bremse nicht. Die digitale Null oder die digitale Eins, an oder aus. Die blaue oder die rote Pille – aufwachen oder zurück in die Matrix. Vagus oder Sympathikus, Vene oder Arterie. Soll ich noch weiter machen? Also: ja, es gibt Gegensätze, in denen kein Zwischenraum existiert. In der Klimakrise gibt es längst keinen neutralen Punkt mehr, kein Sowohl-Als-Auch, kein erst mal „dieses“ und später vielleicht „jenes“ folgen – und das können ja dann die Anderen machen.
„Prägen Sie sich immerhin ein, daß Toleranz zum Verbrechen wird, wenn sie dem Bösen gilt.“
Aus: Thomas Mann, Der Zauberberg
= Raus aus der Mitte =
5 – „Das Unrecht leuchtet so grell“
Das Böse ist nur durch das Gute zu besiegen, das Graue und Rückwärtsgewandte nur durch das Bunte und nach vorne Ausgerichtete, das Zerstörende nur durch Aufbauen und Erblühen-lassen.
Wir dürfen immer auch die kleinste Flamme der Hoffnung am Leben erhalten, dass wir, die Guten und Tugendhaften in dieser „Sorge für das gemeinsame Haus“, diese Auseinandersetzung gewinnen können – auch wenn der Weg vor uns so dunkel ist, dass wir nichts mehr erkennen können.
Aber auch im Dunklen, in all dem Falschen, im Unrecht kann man sich im „Kampf GEGEN“ orientieren:
Was mich mutlos macht.
ist daß es so schwer ist
zu sehen wohin ein Weg geht
zum Recht und zur sicheren Zukunft
aber was mir dann wieder Mut macht
ist daß es so leicht ist
zu sehen wo Unrecht geschieht
und das Unrecht zu hassenUnd auch wenn es nicht leicht ist
gegen das Unrecht zu kämpfen
so verliert man dabei
doch nicht so leicht seine Richtung
denn das Unrecht leuchtet so grell
und verbreitet so starken Geruch
daß keiner die Spur des Unrechts verlieren mußWenn der Weg zum Recht und zur Zukunft
dunkel ist und verborgen
dann halte ich mich an das Unrecht
das liegt sichtbar mitten im Weg
und vielleicht wenn ich noch da bin
nach meinem Kampf mit dem Unrecht
werde ich dann ein Stück
vom Weg zum Recht erkennenErich Fried – Wegweiser
= Im Dunkeln die Orientierung behalten =